Ich habe bereits im Alter von zwölf Jahren (lange bevor es so etwas wie Influencer und Vlogs überhaupt gab) Videotagebücher gedreht, Videos geschnitten und später auf der Theaterbühne am liebsten gesellschaftskritische Stücke aufgeführt, mit denen man etwas bewegen konnte. Als ich dann 2016 ein Praktikum bei »Filmemacher Deutschland« gewonnen habe, bei dem ich mit einigen bekannten Youtubern (unter anderem mit Cheng, Stephan Gerick und Goeerki) nach Tansania reisen durfte, habe ich zum ersten Mal den Beruf des »Youtubers« so richtig kennengelernt. Davor hatte ich nicht auf dem Schirm, dass Leute von sowas leben konnten und dieser Beruf hat alle meine Interessen, Talente und Wünsche vereint. Nachdem ich innerhalb meiner Schauspielausbildung bemerkt habe, dass ich nicht das größte Talent und Interesse an diesem Beruf hatte, war die Reise mit den YouTubern wie ein »Aha«-Moment für mich. Dort habe ich endlich das gefunden, was zu mir passt. Daraufhin habe ich alles darangesetzt, dass es klappt.
Wenn man nicht weiß, auf welche Content-Richtung man sich fokussieren sollte: Finde etwas zwischen dem, was du gerne machst, und dem, was die Leute interessiert. Eine Mischung aus beidem ist wichtig. Anfangs habe ich das gemacht, was mir Spaß macht, aber das hat niemanden interessiert. Später habe ich das gemacht, was die Leute interessiert, mir selbst gefiel es jedoch überhaupt nicht. Irgendwann habe ich genau die Mitte gefunden.
Durchhaltevermögen: Man muss wissen, wofür man das machen will, und dranbleiben. Denn es wird oft Momente geben, wo man aufgeben möchte, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Gerade bei Youtube ist Durchhaltevermögen gefragt, denke ich, da es sehr viel Zeit und Arbeit kostet, bis man in der Lage ist, Reichweite auf der Plattform zu generieren.
Strategisches Denken: Einfach nur konstant »Content rauszuhauen«, reicht meistens nicht. Es geht vielmehr darum, den Algorithmus zu verstehen und dementsprechend strategisch zu handeln.
Sie nehmen mittlerweile einen großen Teil der täglichen Unterhaltung vieler Menschen ein: Statt lineares Fernsehen oder Netflix wird dann Youtube auf dem Smart-TV geguckt. Die meisten Menschen verbringen ja auch täglich viel Zeit auf TikTok und Instagram. Ich denke, dass der Einfluss auf die Unterhaltungsbranche noch sehr unterschätzt wird.
Auf persönlicher Ebene lasse ich mich eher wenig durch Influencer beeinflussen. Höchstens auf der Content-Ebene habe ich ein paar Youtube-Vorbilder im internationalen Raum, auf die ich hochschaue und die mich inspirieren. Meine persönlichen Idole sind eher in anderen Bereichen tätig.
Manchmal erhalte ich konstruktive Kritik, zum Beispiel von Leuten, die ihre Erfahrungen oder Expertise in einem Bereich erläutern, und das freut mich eigentlich, solange sie dabei einigermaßen nett, höflich und respektvoll schreiben. Nur leider äußert sich Kritik auch oft in Form von Hate. Dann werden Menschen beleidigend, verletzend und teilweise irrational. Dann fällt es mir schwer, damit umzugehen. Man braucht eine ziemlich dicke Haut dafür, aber ich merke auch, dass es mich auf Dauer stärker macht.
Bild: Nicole Sce