Mein Weg zum Influencer war kein geplanter Karriereschritt, sondern eine organische Entwicklung. Ich habe ohne Hintergedanken oder Follower-Ziele angefangen. Nach einer persönlich schwierigen Zeit war die kreative Arbeit – das Bauen, Einrichten und Gestalten – mein Weg, um zu mir selbst zurückzufinden. Mir ist aufgefallen, dass der Mut zum Anpacken heute oft fehlt. Mein Ziel war es, anderen zu zeigen: Wenn man den Willen hat und sich traut, über seinen Schatten zu springen, ist fast alles machbar. Dass meine Leidenschaft für DIY und diese »Hands-on«-Attitüde eine so große Resonanz auslösen würden, war mir zu Beginn absolut nicht bewusst.
Ich hätte gerne früher gewusst, wie sehr man lernen muss, seinen Selbstwert von den Klickzahlen abzukoppeln. Algorithmus-Schwankungen sind unvorhersehbar und können einen schnell an der eigenen Arbeit zweifeln lassen, selbst wenn die Qualität der Inhalte gleichbleibend hoch ist. Mein wichtigster Tipp wäre: Begreife deine Reichweite als Sinuskurve. Es ist ein vollkommen normaler Prozess, dass auf ein Hoch auch mal ein Tief folgt. Wenn man versteht, dass diese Zyklen dazugehören und nichts mit dem eigenen Talent zu tun haben, bleibt man viel gelassener und verliert den Fokus auf das Wesentliche nicht.
Social Media ist voll von perfekten Leben, perfekten Menschen und immer gleichen Bildern. Genau deshalb ist es heute wichtiger denn je, eigene, echte Geschichten zu erzählen. Persönlichkeit und Authentizität sind die Eigenschaften, die den Markt in den nächsten Jahren ordentlich aufmischen werden. Wer heute plant, den gefühlt 40-millionsten Travel- oder Lifestyle-Kanal zu eröffnen, sollte sich schnell eine persönliche Strategie überlegen. Ohne Ecken, Kanten und eine authentische Stimme geht man in der Masse einfach unter.
Der Einfluss auf die Interior-Branche ist massiv, da Trends heute in Echtzeit entstehen und verbreitet werden. Durch die enorme Reichweite, die wir uns als Influencer aufbauen können, ist unser Einfluss auf Trends und das Kaufverhalten der Zuschauer nicht zu unterschätzen. Einerseits ist Social Media eine großartige Chance: Man bekommt hochwertige Einrichtungstipps von Profis und bekannten Interior-Designern völlig kostenlos. Das wäre vor einigen Jahren ohne das nötige Kleingeld kaum möglich gewesen. Gleichzeitig bringt diese Dynamik eine gewisse Kurzlebigkeit mit sich. Konsumenten neigen dazu, in Trends zu investieren, die nur eine sehr kurze Halbwertszeit haben. Mir ist es wichtig zu betonen, dass Inspiration nicht mit blindem Konsum gleichzusetzen ist. Die wahre Kunst liegt darin, sich inspirieren zu lassen, aber dennoch einen zeitlosen, persönlichen Stil zu entwickeln, der über den nächsten Instagram-Trend hinaus Bestand hat.
Da ich selbst eine eher aufgeweckte und »sprudelige« Persönlichkeit bin, fühle ich mich automatisch von Menschen angezogen, die ihr wahres Ich voller Selbstbewusstsein präsentieren. Karin Teigl ist dafür ein tolles Beispiel: Sie ist absolut schlagfertig, nicht »auf den Mund gefallen« und präsentiert ihre Message klar und ohne Umwege.
Für mich sollten Influencer genau das verkörpern: ihr eigenes Selbst und keine Kopie von anderen. Wenn man die erfolgreichsten Creator betrachtet, erkennt man schnell, dass sie unersetzlich sind. Sie kopieren nicht, sie SIND einfach sie selbst – und genau das ist das Geheimnis ihres Erfolgs.
Da mein gesamtes Erscheinungsbild aufgrund meiner vielen Tätowierungen polarisiert, höre ich häufig oberflächliche Bemerkungen. Mittlerweile kann ich das aber sehr gut wegstecken. Ich habe gelernt: Ein Kommentar sagt oft viel mehr über den Verfasser aus als über den Empfänger. Dieser Gedanke lässt mich ruhig schlafen. Man kann und sollte es ohnehin nicht jedem recht machen – am Ende zählt nur, dass man mit sich selbst im Reinen ist.
Bild: Julian Faist