Bei mir war es mehr versehentlich. Ich habe geheiratet und bin zu meinem Mann nach Bielefeld gezogen. Während ich mich wieder als Krankenschwester beworben habe, hat mein Mann mich ermutigt mit YouTube-Videos zu beginnen. Ich habe sie selbst gerne geschaut und habe dann einfach angefangen. Ich wusste damals auch nicht, dass daraus ein Job werden kann.
Ich hätte vorher gerne gewusst, wie es ist, berühmt, beziehungsweise bekannt zu sein. Dass man beispielsweise im Restaurant heimlich gefilmt wird oder dass Fotos von meinem Mann im Internet auftauchen … Das musste ich erst lernen und es war sehr ungewohnt für mich. Auch, welcher enorme Druck Zuneigung und Abneigung ausmachen können. Hass, Hetze, teilweise Drohungen, die man bekommt – da hat mich niemand drauf vorbereitet. Das hätte ich gerne vorher gewusst.
Wir sind keine Auserwählten. Jeder, der ein Handy besitzt, kann loslegen, Content machen und sich Influencer nennen. Sicher ist es ganz wichtig, dass man für den Content, den man macht, brennen sollte und eine Leidenschaft dafür hat. Die Zuschauer merken schnell, ob man authentisch ist oder nicht. Die Leidenschaft für ein bestimmtes Thema hilft auch sehr, einfach weiterzumachen und die Motivation beizubehalten.
Die Influencer haben heute noch immer einen sehr großen Einfluss. Die Hauptzeit war sicher 2016 bis 2019 als jede Brand eine große Zusammenarbeit mit einem Influencer bzw. einer Influencerin gemacht hat. Heute ist sicher das Thema Skincare ganz weit vorne. Aber auch die Plattformen selbst verändern den Einfluss der Influencer. Mit TikTok ist eine ganz neue Welt dazugekommen, die nach ihren eigenen Regeln funktioniert, aber auch jünger ist und damit ein anderes Publikum anspricht.
Ich lasse mich nicht direkt durch eine konkrete Person inspirieren. Das kann ganz allgemein guter Content sein, der mich inspiriert. Und wenn Menschen selbst motiviert und leidenschaftlich bei der Arbeit sind, dann pusht mich das auch. Aber ganz grundsätzlich bin ich mein eigener Antrieb und mein eigenes Idol. Ich richte meine Ziele auch so aus und schöpfe die Kraft aus mir.
Den Umgang mit Kritik musste ich erst lernen. Anfänglich war ich total schockiert, was ich alles lesen musste. Aber mit der Zeit lernt man mit Kritik umzugehen. Nach elf Jahren gehe ich kaum noch auf Kritik ein, da das meiste nicht wirklich konstruktiv ist. Nahezu alles ist objektiv und zielt auf persönliche Dinge ab, die nicht relevant sind. So habe ich gelernt, auf das meiste gar nicht mehr einzugehen und ich kann mir so meinen eigenen Frieden bewahren.
Bild: Sebastian Schmidt