Anfang 2020, in einer Ein-Zimmer-Dachgeschosswohnung in der Nähe von Leipzig: Die Kinder der Nachbarn haben schon lange aufgehört zu schreien und selbst der BWL-Student von nebenan hat seinem täglichen Netflix-Binge für heute wieder mal ein Ende gesetzt – oder andersherum. Nur im Wohn- und Schlafzimmer von Maximilian Arndt flimmert noch ein bisschen Leben. Der Bildschirm seines Laptops erhellt das Gesicht des 21-Jährigen in einem blauen Schimmer. Maximilians Karriere im Leistungssport liegt mittlerweile hinter ihm und durch erste gescheiterte unternehmerische Versuche ist er zu diesem Zeitpunkt bereits hoch verschuldet. Tagsüber arbeitet er als angestellter Vertriebler für einen Finanzdienstleister. Nachts schmiedet er Pläne für seinen nächsten Vorstoß in das Reich des Unternehmertums. Ebenso wie gestern, vorgestern und die Nächte davor verbringt er auch diese frühen Morgenstunden damit, alle Inhalte, die er zum Thema Photovoltaik im Internet ausfindig machen kann, wissbegierig in sich aufzusaugen.
Doch schon zu diesem Zeitpunkt dachte er gleich mehrere Schritte weiter. Er träumte bereits von einem High-Life, wie er es auf den Instagram-Accounts zahlreicher erfolgreicher Unternehmer mitverfolgen konnte. Mit diesem Ziel vor Augen wusste der ehemalige Profisportler genau, was er zu tun hatte: Er musste alles geben. Lange Tage, kurze Nächte und 8.000 gefahrene Kilometer jeden Monat brachten den 21 Jahre jungen Schuldner schließlich genau dahin, wo er immer sein wollte: auf den Fahrersitz seines neuen 5er BMWs. Abwechselnd mit dem seines Audi R8 V10, natürlich. Es soll sich schließlich keine der beiden Luxuskarosserien vernachlässigt fühlen. So fahren sich die langen Strecken auch gleich viel angenehmer.
Neben dem eigenen Ehrgeiz identifiziert Maximilian zwei weitere, handfestere Komponenten, die zu seinem raschen Erfolg beigetragen haben: Zum einen sind das die USPs, also die »Unique Selling Propositions«, mithilfe derer er sich von der Konkurrenz abhebt. Dazu zählt er zum einen, dass er seinen Kunden als »Full-Service-Anbieter« alle Sorgen und Probleme, die aufkommen könnten, vom Hals hält. Noch stolzer ist er jedoch auf die Eigenständigkeit seines Vertriebs. »Eines unserer größten USPs ist die größtmögliche Versorgung durch die eigene Anlage, einen Stromspeicher und eine Stromcloud.«
Zum anderen führt er den Erfolg des Solarvertriebs auf sein Team zurück, das doch mehr ist als »nur« ein Team: »Grundsätzlich sind alle meine Partner mit zu meinen besten Freunden geworden.« Und dieser Freundeskreis soll noch wachsen: Nächstes Jahr will Maximilian weiteren 500 Leuten eine Chance geben. Und diese werden allemal mit günstigeren Voraussetzungen starten als er selbst. Denn im Gegensatz zu seinem selbst erarbeiteten Werdegang hat er für seine neuen Partner bereits alle Werkzeuge vorbereitet, die sie brauchen, um loszulegen. Dazu gehören unter anderem Videoschulungen, Offline-Coachings und Zoom-Calls. Bei der Auswahl seiner Partner legt er zwar großen Wert auf bereits vorhandene Erfahrung im Vertrieb, mehr jedoch auf Motivation und Eigeninitiative. Dabei gehe es ihm nicht primär darum, dass bereits Erfolge vorgewiesen werden können, sondern dass überhaupt versucht wurde, etwas auf die Beine zu stellen. »Vertrieb ist größtenteils Kopfsache. Vor allem muss man wissen, wie man mit einem Nein umgeht.« Das mag zunächst paradox klingen, ist schlussendlich aber eine Erkenntnis, die ihm niemand widerlegen wird – immerhin ist er der lebende Beweis für deren Gültigkeit.
Bilder: Linus Schneider