Meine Motivation, diesen Weg einzuschlagen, kam ganz spontan. Ich habe es schon immer genossen, abends vor dem Einschlafen auf Instagram zu stöbern. Besonders angezogen haben mich dabei Accounts von Menschen, die mich inspirierten und mir durch ihre Inhalte Motivation gaben. Ich ließ mich von ihnen beeinflussen und versuchte, bestimmte Dinge in meinem Alltag genauso umzusetzen wie sie. Irgendwann kam mir der Gedanke: Warum nicht selbst so eine Person sein, bei der andere hängen bleiben und die sie spannend finden? Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Ich überlegte, was mich interessant machen könnte – Hobbys, mein Leben, meine Leidenschaften. Da ich schon immer gerne geritten bin, entschied ich mich, den Reitsport in Kombination mit Lifestyle-Inhalten in den Fokus zu stellen.
Was ich gerne vorher gewusst hätte: Wie unfassbar hart dieser Job sein kann – vor allem, wenn man nebenbei noch Tiere versorgt. Wie viele hasserfüllte Nachrichten man tagtäglich erhält und wie viel Hass einem generell entgegengebracht wird. Dass man 24/7 performen muss, egal, was im eigenen Leben gerade passiert – man muss präsent sein und die Community unterhalten.
Ein Ratschlag, den ich mir rückblickend gewünscht hätte: Such dir frühzeitig einen Mental Coach, der dir hilft, den Hass nicht an dich heranzulassen. Das hätte mir viele schlaflose Nächte und Tränen erspart.
Man sollte sich von anderen abheben, aber nicht gezwungenermaßen – es sollte natürlich kommen. Wer schon immer etwas anders war als der Rest, hat hier einen Vorteil. Man braucht eine starke Persönlichkeit, um Kritik und negative Kommentare aushalten zu können. Es ist wichtig, sich von anonymem Hass nicht kaputtmachen zu lassen. Außerdem sollte man kreativ, wortgewandt und humorvoll sein. Und das Allerwichtigste: Verstelle dich nicht – sei du selbst!
Mit dem typischen Influencer-Lifestyle habe ich nicht viel am Hut. Ich lebe in meiner Pferde-Bubble und unterbreche sie nur gelegentlich mit ein paar schönen Reitpausen im Jahr. Daher kann ich hier nur in Bezug auf den Pferde-Lifestyle etwas sagen: Durch Influencer wird immer weniger auf Printmedien gesetzt, dafür vermehrt auf Online-Marketing. Das beeinflusst natürlich die gesamte Verlagsbranche – Pferdezeitschriften werden kaum noch gekauft und durch Plattformen wie Instagram oder TikTok ersetzt.
Früher ließ ich mich stark vom Stil der Outfits und den Urlaubsorten der Influencer beeinflussen. Persönlich habe ich mich jedoch nie beeinflussen lassen – dafür war ich selbst zu »unique«.
Früher konnte ich mit Kritik gar nicht umgehen. Ich fing an, an mir selbst zu zweifeln, übernahm die Vorwürfe Fremder und ließ mich tief verletzen. Heute ist mir das völlig egal. Wichtig ist nur die Meinung meiner Familie, Freunde und Trainer – alle anderen interessieren mich nicht mehr. Nach jahrelangem innerem Kampf perlt das nun endlich an mir ab.
Bild: Global Equipe Solution