Ganz ehrlich: Influencer zu werden war nie mein Plan. Ich komme aus der Medizin und habe irgendwann gemerkt, wie groß die Wissenslücke rund um Frauengesundheit ist. Viele Fragen, die Frauen beschäftigen, werden im Alltag kaum erklärt oder sogar tabuisiert. Social Media war für mich einfach ein Werkzeug, um medizinisches Wissen verständlich weiterzugeben – heruntergebrochen in einfache Worte, sodass es wirklich jeder verstehen kann.
Wenn mir heute jemand schreibt, dass sie durch ein Video ihren Körper besser versteht oder endlich den Mut hatte, ein Thema beim Arzt anzusprechen, dann weiß ich, warum ich damit angefangen habe.
Ich hätte mir gewünscht, früher zu verstehen, dass man nicht jedem Trend hinterherlaufen muss. Am Anfang hat man oft das Gefühl, man müsse ständig posten, perfekt aussehen oder jeden Algorithmus verstehen. Heute weiß ich: Langfristig zählt Vertrauen. Menschen merken sehr schnell, ob jemand etwas nur wegen Reichweite macht oder weil er wirklich hinter einem Thema steht.
Der wichtigste Rat wäre also: Bau dir eine klare Haltung auf und bleib ihr treu. Reichweite kann man kurzfristig gewinnen und genauso schnell wieder verlieren. Vertrauen und Glaubwürdigkeit dagegen wachsen langsam, halten aber langfristig.
Ich glaube, drei Dinge sind besonders wichtig:
Erstens: Verantwortung. Wenn hunderttausende Menschen zuhören, muss man sich bewusst sein, welche Wirkung Worte haben können.
Zweitens: Neugier und Lernbereitschaft. Gerade im Gesundheitsbereich entwickelt sich Wissen ständig weiter.
Und drittens: Authentizität. Menschen folgen keinen perfekten Lebensläufen, sondern echten Persönlichkeiten.
Influencer haben heute eine enorme Reichweite und können Themen sichtbar machen, die lange übersehen wurden. Gerade bei Frauengesundheit sehe ich, wie viele Fragen plötzlich öffentlich diskutiert werden: Zyklus, Hormone, Endometriose oder Hautprobleme. Das kann eine große Chance sein, wenn Informationen verantwortungsvoll vermittelt werden. Gleichzeitig braucht es klare Grenzen. Medizinische Inhalte sollten immer evidenzbasiert sein und keine falschen Versprechen machen. Wenn Social Media dazu beiträgt, dass Menschen sich mehr mit ihrem Körper beschäftigen oder früher medizinische Hilfe suchen, kann das ein sehr positiver Einfluss sein.
Natürlich schaue ich mir auch andere Creator an, vor allem Menschen, die komplexe Themen verständlich erklären. Meine größten Vorbilder kommen aber eher aus der Medizin und Wissenschaft – Menschen, die sich über Jahre für Aufklärung eingesetzt haben, oft ohne große Bühne.
Formate wie »MrWissen2go« oder »maiLab« haben mir schon früh gezeigt, wie stark gute Wissenschaftskommunikation sein kann. »MrWissen2go« hat mich früher tatsächlich öfter mal vor dem Geschichtsunterricht gerettet. Und bei »maiLab« beeindruckt mich sehr, wie konsequent wissenschaftliche Themen verständlich und gleichzeitig kritisch aufbereitet werden. Von solchen Formaten habe ich viel gelernt. Vor allem, dass Wissen erst dann wirklich etwas verändert, wenn man es so erklärt, dass jeder es verstehen kann.
Kritik gehört dazu, besonders wenn man öffentlich arbeitet. Ich versuche immer zuerst zu unterscheiden: Ist es konstruktive Kritik oder einfach ein Kommentar aus einer Emotion heraus? Wenn jemand berechtigte Punkte anspricht, nehme ich mir das sehr zu Herzen. Niemand ist perfekt und auch ich lerne ständig dazu. Wenn Kritik jedoch nur darauf abzielt zu verletzen, versuche ich, sie nicht zu persönlich zu nehmen. Oft sagt solche Kritik mehr über die Person aus, die sie äußert, als über einen selbst.
Am Ende hilft mir ein Gedanke: Wenn man über Themen spricht, die vielen Menschen wichtig sind, wird es immer unterschiedliche Meinungen geben. Das gehört zu einem offenen Diskurs dazu.
Bild: Elena Peters Fotografie