Vika liebt ihren Körper – obwohl er in der Hochglanz-Social-Media-Welt als alles andere als perfekt gilt. Ihren rund 1,1 Millionen TikTok- und 270.000 Instagram-Followern will sie aber genau das beibringen: sich in seiner eigenen Haut wohlzufühlen und sich nicht von den »perfekten« Lifestyles anderer beeinflussen zu lassen (@vikykid). Uns hat Vika im Interview verraten, wer sie online und offline inspiriert und warum es als Influencer auch wichtig ist, regelmäßig Pausen einzuplanen.
Viele junge Leute haben heutzutage den Traumjob »Influencer«. Was war deine Motivation, diesen Berufsweg einzuschlagen?
Ich denke, ich bin so ein klassischer Fall von »reingerutscht«. Ich bin nach Berlin gezogen, hatte noch keine Freunde oder Freundinnen und neben dem Studium, sowie meinem Nebenjob, etwas freie Zeit. Die neue Plattform »TikTok« schien mir ein guter Zeitvertreib zu sein, also habe ich mir die App heruntergeladen. Eines Tages war ich mutig genug, selbst ein Video zu posten und daraus wurde ein Hobby. Ein Thema, das mich persönlich betrifft und mir daher sehr wichtig ist, sind Essstörungen. Ich will unbedingt von meinen Erfahrungen erzählen und andere zur Therapie ermutigen. Das wurde damals zum ersten Thema, das mir besonders am Herzen lag und mich motiviert hat.
Was hättest du zu Beginn deiner Karriere als Influencerin gerne gewusst? Für welche Tipps wärst du sehr dankbar gewesen?
Es ist ein Job, den ich über alles liebe – einer, mit dem ich mich am liebsten rund um die Uhr beschäftigen würde, weil er mir einfach Spaß macht. Aber genau da liegt auch die Herausforderung: Es bleibt ein Job. Und selbst vom größten Traumjob braucht man Abstand.
Ich musste auf die harte Tour lernen, mir Pausen zu nehmen und freie Tage einzuplanen, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich sonst an meine Grenzen komme. Diese Lektion hätte ich mir rückblickend gern erspart.
Und dann gibt es noch den bürokratischen Teil. Der wird oft unterschätzt. Ich hatte von Anfang an Unterstützung und das war Gold wert. Denn hier muss wirklich alles tipptopp laufen.
Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Influencer vorweisen können, um erfolgreich zu werden?
Man sollte sich schon einigermaßen gern sehen und hören können – ein bisschen Wahrheit steckt da schon drin. Vor allem braucht man aber Lust, viel Content zu erstellen, und die Motivation, wirklich dranzubleiben. Und man muss es mögen, sich in Trends, Plattformen und Algorithmen reinzufuchsen, das gehört einfach dazu. Und, vielleicht kein Muss, aber aus meiner Sicht essenziell: ein stabiles Umfeld außerhalb der digitalen Welt. Eine starke Community im echten Leben, also Familie und/oder Freunde und Freundinnen, die einen erden, unterstützen und auch mal daran erinnern, offline zu gehen, ist unglaublich wertvoll.
Inwiefern beeinflussen Influencer die Lifestyle-Branche?
Wer Content auf Social Media konsumiert, wird auf jeden Fall beeinflusst: oft mehr, als einem bewusst ist. Genau deshalb finde ich es so wichtig, nicht nur Konsum zu pushen, sondern auch Werte zu vermitteln. Influencer prägen nicht nur, was wir kaufen, sondern auch, wie wir leben, denken und uns selbst sehen. Es geht also längst nicht mehr nur um Produkte, sondern auch um Themen wie Selbstbild, Gesundheit oder gesellschaftliche Werte. Für mich persönlich bedeutet das, verantwortungsvoll damit umzugehen: aufzuklären, Dinge einzuordnen und den Zuschauenden etwas mitzugeben, das einen positiven Einfluss auf sie selbst und ihre Umwelt hat.
Influencer sind für viele Menschen gleichzeitig Vorbilder. Lässt du dich auch selbst durch andere Influencer beeinflussen oder hast du deine persönlichen Idole woanders gefunden?
Ich habe online und offline Vorbilder. Ich würde sagen, ich bin ein großer Fan meiner Freunde und Freundinnen. Sie inspirieren mich sehr mit ihren Lebenswegen, ihren Werten und ihrem Sein.
Gleichzeitig habe ich mich auch immer wieder über Social Media inspirieren lassen. Es gibt zum Beispiel eine Creatorin, der ich schon seit vielen Jahren folge. Sie hat mich damals dazu ermutigt, meinen Körper mehr zu lieben und gegen Schönheitsideale sowie meine Essstörung anzukämpfen. Außerdem teilt sie Erfahrungen rund um Migration und queeres Leben. Also sozusagen mein Gesamtpaket. Das war das erste Mal, dass ich mich wirklich gesehen und repräsentiert gefühlt habe. Und ich glaube, genau das ist unglaublich wertvoll.
Unser direktes Umfeld spiegelt nicht immer die eigene Lebensrealität wider und viele Menschen fühlen sich trotz dieser großen Welt oft sehr allein. Umso wichtiger finde ich es, sich zumindest online einen Safer Space schaffen zu können.
Wie gehst du mit Kritik um?
Es prasselt schon sehr viel auf einen ein. So viele Meinungen zu jedem einzelnen Detail des eigenen Lebens. Ich glaube, das kann kein Gehirn wirklich gut verarbeiten. Ich kann das auf jeden Fall nicht immer. Ich versuche deshalb immer mit meinen eigenen Werten einzuchecken. Wenn Kritik mir helfen kann, diese Werte besser zu vertreten, nehme ich sie dankbar an. Ich finde es wichtig, sich weiterzuentwickeln und auch Fehler machen zu dürfen. Gerade auf Social Media kann es sehr wertvoll sein zu sehen, dass jemand Fehler erkennt, sich korrigiert und nicht in Scham versinkt – das versuche ich auch selbst zu zeigen.
Gleichzeitig gibt es natürlich auch viel »Kritik«, die nichts mit meinen Werten zu tun hat. Wer mich nicht mag, darf auch einfach weiterziehen – und ich helfe im Zweifel gern mit dem Blockier-Button nach.
Bild: @sophia.emmerich










