H. Acksteiner: Aquakulturen gibt es eigentlich seit Jahrhunderten, zum Beispiel in Karpfenteichen oder in Teichen für Forellen. Der Nachteil dabei ist, dass das Wasser nicht gereinigt wird und zwangsläufig den Bach, in den das Wasser abfließt, belastet. Die bestehenden Teiche haben zwar noch Bestandsschutz, aber neue werden nicht mehr genehmigt, schon wegen des Verschlechterungsverbots für Flüsse, das von der EU erlassen wurde.
Heutzutage ist die Aquakultur in Netzgehegen im Meer am weitesten verbreitet. Meist werden auf diese Weise Lachse gezüchtet, weshalb der Lachs heute nicht mehr eine teure Spezialität ist, sondern preiswert beim Discounter zu finden ist. Auch diese Methode hat ihre Nachteile: das Wasser kann ebenfalls nicht gereinigt werden, was für enge norwegische Fjorde zum ökologischen Problem werden kann. Zudem werden die Fische mit großen Mengen Antibiotika gefüttert, um Krankheiten vorzubeugen. Auf diese Weise bekommt man aber ein anderes Problem, nämlich das der Lachsläuse nicht in den Griff, weshalb die ersten Lachszüchter bereits dazu übergehen, unsere Methode der Indoor- Aquakultur anzuwenden.
H. Acksteiner: Man hat alles unter Kontrolle, die Lebensbedingungen der Fische, das Futter, das Licht, die Temperatur. Unter diesen Bedingungen, also ohne den Stress der Futtersuche und der sich ändernden Jahreszeiten, wachsen die Fische schneller und sie schmecken besser. Ja, tatsächlich, sie setzen etwas Fett an, und Fett ist ein Geschmacksträger.
Das Leibnitz-Institut fordert seit Jahren, diese Technologie ausschließlich für die Fischzucht anzuwenden. Nicht nur aus Gründen des Tierwohls, sondern auch, weil es praktisch keinerlei Umweltbelastung gibt.
H. Acksteiner: Wie der Name schon sagt, findet diese Art der Fischzucht in der Halle statt, komplett von der Umwelt abgeschottet. Das Wasser, in denen die Fische leben, wird gereinigt und in einem Kreislauf zurück in die Anlage geleitet. Durch Messfühler wird die Wasserqualität permanent überwacht, so dass für die Fische stets optimale Bedingungen herrschen.
Ein wichtiger Teil des Reinigungsvorgangs ist ein Bioreaktor. Hier wird von Mikroorganismen das von den Fischen ausgeatmete Ammonium neutralisiert. Diese Mikroorganismen sind der Garant dafür, dass in diesem System keine Antibiotika oder sonstige Chemikalien eingesetzt werden können, denn damit würde man sie abtöten. Indoor- Aquakultur ist also systembedingt biologisch sauber, es gibt keine Möglichkeit, heimlich mit Medikamenten zu schummeln.
Die Erde wird wegen steigender Bevölkerungszahlen zunehmend belastet, die Tierproduktion hat dabei den größten Anteil. Ein Zander, wie wir ihn züchten, hat bei Erreichen des Schlachtgewichts gerade soviel gefressen, wie er selbst wiegt. Hauptsächlich liegt das daran, dass Fische wechselwarme Tiere sind, das heißt, sie benötigen keine Energie für ihre Körpertemperatur. Indoor- Aquakultur ist also die nachhaltigste Form der tierischen Eiweißproduktion. Wenn statt Rindfleisch mehr Fische verzehrt würden, die auch noch mit Insektenlarven und Algen gefüttert werden, statt mit Soja, sind die Nahrungsprobleme dieses Planeten zumindest etwas kleiner.
Bildquelle: DEUTSCHE EDELFISCH DEG GMBH & CO. II KG