Medizinische Eingriffe und Behandlungen reichen nachweislich bis in die Steinzeit zurück, doch erst in der Neuzeit konnte sich die Medizin durch zahlreiche Entdeckungen im eigentlichen Sinne entwickeln. Seit der Moderne nahmen die Fortschritte rasant zu und haben schließlich dazu geführt, dass unser Gesundheitssystem heute ist was sie ist. Ohne den medizinischen Fortschritt wäre unser modernes Leben in vielen Fällen gar nicht möglich, insbesondere die steigende Lebenserwartung haben wir dem medizinischen Fortschritt zu verdanken.
Unter medizinischem Fortschritt verstehen die meisten Entdeckungen und Erfindungen, die teilweise hundert Jahre zurückliegen. So wurde beispielsweise die erste Organtransplantation, heute ein Routinevorgang, bereits 1883 durchgeführt. Auch die Röntgenstrahlung beispielsweise wurde 1895, also Ende des 19. Jahrhunderts. Erst 1901 entdeckte der österreichische Bakteriologe Karl Landsteiner, dass Menschen unterschiedliche Blutgruppen haben. Bis dahin hatten Bluttransfusionen teilweise schwerste Folgen für die jeweiligen Patienten. Die Grundlagen für moderne Chemotherapie gehen auch auf die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück, 1928 wurde das Penizillin entdeckt. Erst ab den 1980er Jahren sind durch die Erfindung minimalinvasiver Eingriffe medizinische Eingriffe in tieferliegendes Gewebe möglich, ohne große Schnitte in das Hautgewebe zu tätigen. Doch was waren bedeutende medizinische Fortschritte der letzten Jahrzehnte?
Im Jahr 2001 wurde das menschliche Genom nach 13 Jahren Forschungsarbeit vollständig entschlüsselt. Dies hat der Medizin völlig neue Möglichkeiten und Ansätze eröffnet. Im Erbgut lassen sich genetische Veranlagungen für bestimmte Krankheiten ausfindig machen, mit modernen Gentests lassen sich diese Veranlagungen ermitteln und so überprüfen, ob eine Person ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten hat oder nicht.
Die Genomforschung hat es weiterhin ermöglicht, verschiedene Genfunktionen zu erkennen. Bestimmte Krankheiten können somit wesentlich besser therapiert werden, beispielsweise erblich bedingte Immunschwächen. Um Personen mit einer solchen Immunschwäche zu behandeln, sind Mediziner heute sogar in der Lage neue Gene in den Patienten zu implantieren.
2006 gelang es erstmals Impfstoffe gegen humane Papillomviren (HPV) zu entwickeln, welche ursächlich verantwortlich für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sind. Mit einer HPV Impfung kann das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken signifikant gesenkt werden, indem bereits die Vorstufen dieser Erkrankung verhindert werden.
Mit dem technischen Fortschritt hat die Digitalisierung längst auch die Medizin erreicht. So werden etwa Epidemiologen neue Arbeitsweisen ermöglicht, Telemedizin möglich, die unter Verwendung von Robotik durchgeführt wird oder gar die „Cyborgisierung“ des Menschen konkret realisierbar. Die Medizin 4.0 wird auch die Unterstützung durch künstliche Intelligenz ermöglichen, sodass beispielsweise Computerassisierte Chirurgie zu einem Standard werden könnte.
Erstmals wissenschaftlich dokumentiert wurde das Verfahren 2012, in diesem Jahr wurden die beteiligten Wissenschaftlerinnen mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Mit dem Verfahren der CRISPR/Cas9-Methode lassen sich DNA-Bausteine im Erbgut sehr präzise und relativ einfach verändern. Dabei handelt es sich um eine Art „Gen-Schere“, welche neue Ansätze bei der Behandlung von Aids, Krebs und verschiedenen Erbkrankheiten verspricht. Mittlerweile finden sich immer mehr Anwendungen für dieses Verfahren, in den nächsten Jahren dürfte es in diesem Zusammenhang viele bahnbrechende Entwicklungen geben. Wofür genau CRISPR/Cas9 zukünftig eingesetzt wird, lässt sich heute kaum erahnen, fest steht allerdings, dass diese Methode die Molekularbiologie maßgeblich revolutioniert hat.