Die isländische Nationalmannschaft hat es tatsächlich schon wieder geschafft, und zwar nicht irgendwie, sondern durchaus souverän. Bedenkt man, dass sich für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland jeweils nur die Gruppenersten der neun Qualifikationsgruppen direkt qualifizieren und in der isländischen Gruppe I so stolze Fußballnationen wie Kroatien oder die Türkei mitspielten, erscheint der Gruppensieg der Isländer noch imposanter.
So überraschend der Erfolg der isländischen Fußballnationalmannschaft, aber auch der Basketballer und Handballer in den letzten Jahren auch gewesen zu sein scheint, so gibt es doch einige Gründe, warum mit einer derartigen Erfolgskurve gerechnet werden konnte:
Ein wesentlicher Vorteil, den eine Insel wie Island besitzt, ist, dass die Talente, die es zweifelsfrei in jeder Ecke der Erde gibt, nicht so schnell abgeworben werden und zu anderen Akademien oder Verbänden wechseln. Bei nur 330.000 Einwohnern und einer Besiedelung der Hauptstadt Reykjavík von über 60 Prozent der gesamten Einwohner kann eine punktgenaue und zielorientierte Förderung in einem Leistungszentrum an einem Standort sehr effektiv sein. Ebenfalls ist der Faktor Ablenkung auf einer von Wasser umgebenen Insel deutlich geringer als in den Metropolen Europas.
Wie die Bevölkerungszahl und -dichte das Scouting erleichtert, so könnte sie andererseits auch negativ ausgelegt werden, weil der Pool an jungen talentierten Spielern natürlich geringer ist. Doch dreht man den Spieß um, gilt ebenso, dass die beschränktere Auswahl der Mannschafts- und Förderungszusammenstellung leichter fällt und die betroffenen Auserwählten umso intensiver und gezielter gefördert werden können.
Die Isländer unterstützen ihre Mannschaft nicht nur bedingungslos, sie feiern auch sehr gerne. Ihre öffentlichen Partys finden häufig mit einem Großteil der Bevölkerung statt. Speziell bei sportlichen Großereignissen wie dem Public Viewing versammeln sich die Isländer in Scharen vor den riesigen Leinwänden. Der Erfolg der isländischen Nationalmannschaften, besonders im Fußball, zieht das ganze Land in seinen Bann und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, was sich wiederum auch auf das Team überträgt. Da ist es nicht verwunderlich, dass die erfolgreiche WM-Qualifikation erneut zig Tausende auf die Straßen Reykjavíks lockte und bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde.
Die Freizeitmöglichkeiten sind auf einer Insel wie Island begrenzt. Deswegen ist die große Begeisterung für den Sport nicht besonders verwunderlich. Diese grundsätzliche Begeisterung und die guten Gegebenheiten sind die Grundpfeiler für die intensiven und gezielten Sportförderprogramme der Regierung, welche wiederum optimale Trainingsvoraussetzungen ermöglichen.
Der Erfolg der isländischen Sportler kommt aus den benannten Gründen daher gar nicht so überraschend. Dennoch ist die sportliche Leistung Islands mit Blick auf die verhältnismäßig sehr geringe Einwohnerzahl gar nicht hoch genug anzurechnen. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle die Isländer bei der anstehenden WM spielen werden. Zumindest als neutraler Fan bleibt aber zu hoffen, dass Island und seine Fans der Fußballwelt möglichst lange im Turnier erhalten bleiben.