Millionen Menschen konsumieren täglich Inhalte auf Social Media – besonders gefragt sind dabei Persönlichkeiten, die ihre Erfahrungen rund um Erfolg, Unternehmertum und persönliche Entwicklung teilen. Einer von ihnen ist Burak Türkyilmaz (@breitenvonberg). Im Interview spricht er über den Unterschied zwischen Motivation und Disziplin, den Umgang mit Kritik, seine Verantwortung gegenüber seiner Community und darüber, was ihn antreibt, immer weiter an sich und seinen Zielen zu arbeiten.
Sie sprechen eine sehr hungrige, junge Zielgruppe an. Viele warten auf die perfekte Motivation, um zu starten. Wie haben Sie sich die eiserne Disziplin antrainiert, auch an den Tagen abzuliefern, an denen die Motivation komplett fehlt?
Disziplin und Motivation sind zwei grundlegende Begriffe – aber Disziplin ist für mich deutlich wichtiger. Motivation ist am Anfang immer da. Neue Projekte fühlen sich spannend an, man hat Lust darauf. Doch sobald es anstrengend wird, entscheidet nicht mehr die Motivation, sondern die Disziplin.
Ich habe mir diese Disziplin während meiner Zeit als Bodybuilder aufgebaut. Zehn Jahre lang habe ich jeden Tag mehrere Stunden trainiert und gelernt, mich vollständig auf ein Ziel zu fokussieren. Dieses Mindset begleitet mich bis heute – als Unternehmer, Influencer und Geschäftsmann.
Leistung bedeutet immer auch Opfer zu bringen. Genau deshalb ist Disziplin so wichtig. Sie entsteht durch Gewohnheit, durch Herausforderungen und dadurch, dass man weitermacht, wenn das Leben einem Steine in den Weg legt. Ich sehe Rückschläge nicht als Niederlagen, sondern als Lektionen.
Mir sind viele schwierige Dinge passiert: Shitstorms, Verletzungen, finanzielle Rückschläge oder Betrug. Trotzdem habe ich immer weitergemacht. Genau diese Erfahrungen haben mich widerstandsfähiger gemacht.
Menschen, denen die Motivation fehlt, würde ich raten, sich selbst Druck aufzubauen. Wenn ich ein neues Projekt beginne, behandle ich es so, als hinge mein Leben davon ab. Und wenn ich für einen Kunden arbeite, arbeite ich immer so, als wäre es mein eigenes Unternehmen. Dadurch kann ich Leistungen abrufen, die im Alltag kaum möglich wären.
Wer in den sozialen Medien offensiv über finanziellen Erfolg und Unternehmertum spricht, polarisiert unweigerlich. Wie filtern Sie konstruktive Kritik von purem Neid, ohne dass Letzteres Sie emotional ausbremst?
Viele Influencer haben große Angst vor Kritik oder Shitstorms. Ich sehe das heute anders, weil ich selbst über Jahre damit konfrontiert war.
Ein besonders prägender Moment war ein Shitstorm, bei dem mir Dinge vorgeworfen wurden, die nie stattgefunden haben. Im Nachhinein bin ich sogar dankbar dafür, denn dadurch habe ich verstanden, dass die Meinung der Masse oft irrational ist. Häufig ist sie weniger eine eigene Meinung als vielmehr Massenpsychologie, die von wenigen Personen beeinflusst werden kann.
Seitdem nehme ich Kritik anders wahr. Wenn heute jemand mit einem Shitstorm oder anderen Problemen droht, bringt mich das nicht mehr aus der Ruhe. Ich habe diese Situationen bereits erlebt und weiß, dass sie vorübergehen. Rückschläge haben mich widerstandsfähiger gemacht und genau deshalb können sie mich heute emotional nicht mehr ausbremsen.
Ihre Inhalte prägen das Weltbild vieler junger Menschen, die schnell erfolgreich werden wollen. Wie balancieren Sie den schmalen Grat zwischen inspirierendem Lifestyle und der transparenten Vermittlung von harter, jahrelanger Arbeit?
Verantwortung als Vorbild ist mir persönlich sehr wichtig. Ich bin nicht unter einfachen Umständen aufgewachsen. Mein Vater war kaum zu Hause, meine Mutter und meine Tante haben als Putzfrauen hart gearbeitet, und ich musste früh Verantwortung für meine Familie übernehmen.
Dadurch habe ich gelernt, wie wichtig Perspektiven und Mentoren sind. Ein Ziel gibt Menschen Hoffnung, ein Mentor gibt ihnen Orientierung. Ich selbst hatte das Glück, jemanden zu haben, der mich geprägt und mir wichtige Werte vermittelt hat – vor allem, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich tatsächlich beeinflussen kann.
Ich beschäftige mich außerdem intensiv mit Philosophie und Psychologie. Autoren wie Nietzsche oder Machiavelli haben mein Denken stark beeinflusst. Diese Gedanken fließen auch in meine Inhalte ein. Mir geht es nicht darum, nur Erfolg oder Luxus zu zeigen, sondern vor allem die Denkweise, die Ausdauer und die persönliche Entwicklung dahinter zu vermitteln.
Wenn finanzielle Ziele irgendwann erreicht sind, fällt man schnell in ein Loch. Was ist heute Ihr wahrer, innerer Motor, der Sie antreibt, immer noch weiterzumachen und größer zu denken?
Mein größter Antrieb ist nicht Geld, sondern der Wunsch, etwas zu verändern.
Ich möchte einen Namen aufbauen, der Spuren hinterlässt. Ich möchte Menschen Erfahrungen ersparen, die ich selbst machen musste, und den Menschen, die mir wichtig sind, ein besseres Leben ermöglichen.
Vor allem möchte ich nicht bedeutungslos verschwinden. Das Leben geht weiter, egal wer stirbt. Deshalb möchte ich etwas schaffen, worüber Menschen auch in hundert Jahren noch sprechen. Dafür brauche ich weder Anerkennung noch Lob – ich brauche nur die Chance, etwas zu bewegen. Wenn ich diese Chance bekomme, gebe ich alles.
Wenn Sie heute all Ihre Reichweite, Ihre Autos und Ihr Geld verlieren würden – welche Kernfähigkeiten und welche Überzeugungen würden Ihnen bleiben, um sich alles wieder von null aufzubauen?
Erfolg definiert sich für mich nicht über Geld oder Status, sondern über die eigene Entwicklung. Ich setze mir bewusst große Ziele und arbeite sie Schritt für Schritt ab. Jeder erreichte Meilenstein ist ein persönlicher Erfolg und motiviert mich, weiterzumachen.
Wenn ich mich selbst analysiere, merke ich, dass meine größte Stärke meine Einstellung ist. Ich begegne jedem Menschen mit maximalem Wohlwollen und arbeite an jedem Projekt so, als wäre es mein eigenes Unternehmen. Wenn ich jemandem die Hand gebe, dann kämpfe ich für dieses Projekt, als ginge es um mein eigenes Leben.
Genau diese Haltung würde mir bleiben – unabhängig von Geld, Reichweite oder Besitz. Disziplin, Belastbarkeit, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und der Wille, immer wieder aufzustehen, sind für mich die entscheidenden Fähigkeiten. Deshalb bin ich überzeugt, dass ich jederzeit wieder bei null anfangen und mir alles erneut aufbauen könnte.