Erfolg

Ein Mikrofon, 82 Millionen Dollar

Die bestbezahlten Podcaster zeigen, wie aus Gesprächen globale Medienunternehmen werden

5 Min.

04.08.2026

Podcasts galten lange als vergleichsweise günstiges Nebenprodukt für Radiomacher, Journalisten und Prominente. Die neue Forbes-Rangliste der bestbezahlten Podcaster zeigt eine andere Realität: An der Spitze stehen längst Unternehmer, die aus ihrer Stimme eigenständige Medienmarken, Werbenetzwerke und Beteiligungsgeschäfte aufgebaut haben.

Joe Rogan bleibt der bestbezahlte Podcaster der Welt. Nach Schätzungen von Forbes erzielte der Moderator mit The Joe Rogan Experience zwischen Juni 2025 und Juni 2026 rund 82 Millionen US-Dollar.

Auf Platz 2 folgen John Coogan und Jordi Hays mit dem Technology Business Programming Network, kurz TBPN, und geschätzten 70 Millionen US-Dollar. Dahinter liegen Steven Bartlett mit The Diary of a CEO und 45 Millionen US-Dollar, Ashley Flowers mit dem True-Crime-Format Crime Junkie und 42 Millionen US-Dollar sowie das Schauspielertrio Will Arnett, Jason Bateman und Sean Hayes mit SmartLess und 37 Millionen US-Dollar.

Die Angaben sind keine veröffentlichten Gehaltsabrechnungen. Forbes schätzt die Einnahmen vor Steuern auf Grundlage von Gesprächen mit Agenten, Managern, Anwälten und weiteren Branchenkennern. Berücksichtigt werden demnach Einnahmen, die unmittelbar mit dem Podcastgeschäft zusammenhängen.

Rogan verkauft vor allem Reichweite

Rogans Geschäftsmodell beruht auf einer Kombination aus enormer Reichweite, langen Gesprächen und einer starken persönlichen Bindung seines Publikums. Seine häufig mehrstündigen Episoden erzeugen eine Aufmerksamkeit, die klassische Werbeformate nur schwer erreichen.

Für Plattformen ist dabei nicht allein die Zahl der Abrufe wertvoll. Wer Rogan hören möchte, kommt regelmäßig zurück, verbringt viel Zeit mit dem Inhalt und folgt häufig auch dann, wenn ein Gesprächspartner oder Thema kontrovers ist.

Die Persönlichkeit des Moderators ist damit nicht nur Teil des Produkts. Sie ist das Produkt.

Der erstaunlichste Erfolg heißt TBPN

Noch bemerkenswerter ist Platz 2. TBPN wurde erst Ende 2024 von den Unternehmern John Coogan und Jordi Hays gegründet. Das werktägliche Liveformat verbindet Technologie- und Wirtschaftsnachrichten mit langen Interviews und wurde schnell zu einem einflussreichen Treffpunkt für das Silicon Valley.

Im April 2026 übernahm OpenAI das Medienunternehmen. Der KI-Konzern erklärte, TBPN solle redaktionell unabhängig bleiben und die weltweite Debatte über Künstliche Intelligenz erweitern. Vor der Übernahme erreichte das Format rund 70.000 Zuschauer pro Ausgabe und sollte 2026 Werbeerlöse von mehr als 30 Millionen US-Dollar erzielen.

Der Aufstieg zeigt, wie schnell sich ein klar positioniertes Format in einer wirtschaftlich attraktiven Nische in einen wertvollen Medienbetrieb verwandeln kann. Coogan und Hays bauten nicht erst ein Millionenpublikum auf. Sie erreichten zunächst jene vergleichsweise kleine Gruppe, die über Investitionen, Technologie und Unternehmensstrategien entscheidet.

Ein einflussreiches Publikum kann wirtschaftlich wertvoller sein als ein wesentlich größeres, aber weniger klar definiertes.

Aus Sendungen werden Unternehmensgruppen

Auch Steven Bartlett produziert längst nicht nur einen Interviewpodcast. Rund um The Diary of a CEO entstanden Bücher, Liveveranstaltungen, Beteiligungen und ein eigener Medienbereich. Sein Format bildet einen Teil der Unternehmensgruppe Steven.com, deren Wert Forbes zuletzt auf rund 425 Millionen US-Dollar bezifferte.

Ähnlich funktionieren viele der erfolgreichen Formate. Einnahmen entstehen durch Werbung, Plattformverträge, Videoauswertung, Abonnements, Liveauftritte, Bücher und eigene Produktionsfirmen.

Der Podcast ist dabei häufig nicht das Endprodukt. Er ist der regelmäßige Kontaktpunkt, über den Vertrauen und Reichweite für weitere Geschäfte entstehen.

Nähe lässt sich besser verkaufen als Aufmerksamkeit

Podcasts besitzen einen Vorteil gegenüber vielen anderen Medienformaten: Menschen verbringen häufig eine Stunde oder länger mit denselben Stimmen. Die Moderatoren werden beim Autofahren, Kochen, Sport oder Arbeiten zu regelmäßigen Begleitern.

Dadurch entsteht eine gefühlte Nähe, die Werbekunden besonders attraktiv finden. Eine Empfehlung des Gastgebers wirkt weniger wie ein gewöhnlicher Werbespot und eher wie der Hinweis einer vertrauten Person.

Diese Beziehung lässt sich jedoch nicht beliebig skalieren. Sie hängt an Glaubwürdigkeit und Beständigkeit. Wird ein Format zu offensichtlich auf Vermarktung ausgerichtet oder verliert sein Gastgeber das Vertrauen des Publikums, kann gerade die persönliche Bindung schnell zum Risiko werden.

Die Spitze erzählt nicht die ganze Branche

Die Millionenbeträge der Rangliste dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der wirtschaftliche Erfolg in der Creator-Branche extrem ungleich verteilt ist. Wissenschaftliche Analysen beschreiben einen ausgeprägten Verstärkungseffekt: Wer bereits über Reichweite verfügt, wird von Plattformen häufiger empfohlen, zieht größere Werbepartner an und kann weiter in Produktion und Vermarktung investieren.

Die bestbezahlten Podcaster sind daher keine Beispiele dafür, was mit einem Mikrofon durchschnittlich verdient werden kann. Sie zeigen, was möglich wird, wenn ein Format eine globale Marke, einen direkten Zugang zu einer klaren Zielgruppe und möglichst viel Kontrolle über die eigene Vermarktung vereint.

Stefanie S. Klief

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