Ja. Sie können zumindest andeuten, dass Sie keine Lust mehr auf das Gespräch haben. Zum Beispiel, indem Sie einen Fuß in Richtung Tür drehen. Oder indem Sie mit den Füßen kippeln oder sogar mit beiden Fußspitzen vom Gesprächspartner wegzeigen und nur noch der Oberkörper halbherzig zugewandt ist.
Sie werden so etwas auch schon gemacht haben. Meistens unbewusst. Die Frage ist nur: wird die Fußsprache auch verstanden? Schaut jemand bewusst auf die Füße und denkt: „Oh, da will jemand nicht mehr mit mir reden?“ Was ist, wenn Sie nun zum Beispiel bewusst einen Schritt zurückgehen, doch Ihr Gegenüber sofort nachrückt und gar nicht bemerkt, dass dies ein Rückzug sein sollte? Darüber hinaus gibt es Personen, die ständig mit den Füßen kippeln, weil vielleicht die Beine schmerzen oder aus einer inneren Unruhe heraus.
Die Füße einzeln zu betrachten und zu analysieren, führt zu einer hohen Fehlerquote. Insofern können Sie mit den Füßen viel ausdrücken, doch das bringt Ihnen wenig, wenn Ihr Gegenüber die Zeichen nicht versteht. Hilfreicher ist es, klar anzusprechen, was Sie wollen oder eben nicht wollen.
Verschränkte Arme bedeuten Desinteresse
Ähnlich ist es bei der Arm-Sprache. Wie oft haben wir gehört, dass zum Beispiel verschränkte Arme Desinteresse, Ablehnung und Abgrenzung ausdrücken sollen? Dieser Mythos hält sich sehr hartnäckig, doch es ist ein Mythos. In zahlreichen Studien wurde immer wieder versucht, dies zu belegen, doch es konnte kein seriöser Beweis erbracht werden.
Verschränkte Arme bedeuten vielmehr oft, dass es kalt ist. Manche verschränken die Arme, weil sie auf einem Stuhl sitzen, der keine Armlehnen hat. Oder weil sie im Stehen nicht wissen, wohin mit ihren Händen. Oder weil es einfach bequem ist. Oder weil sich jemand im Gespräch zurücknimmt und konzentriert zuhört, ohne selbst reden zu wollen.
Auch hier gilt, wie bei den Füßen, dass Sie nicht an einer einzigen körpersprachlichen Geste erkennen, ob jemand kein Interesse an dem Gespräch hat. Das erkennen Sie eher an einem Zusammenspiel von mehreren Faktoren.
Zum Beispiel: Verschränkt jemand die Arme, lehnt sich zurück, zieht die Mundwinkel nach unten und verdreht die Augen, was sagt uns das? Interessiert und wohlwollend ist diese Person schon einmal nicht. Verschränkt jemand auf einer Party die Arme und hört einer anderen Person konzentriert zu, lehnt sich zu dieser nach vorn oder lacht sogar zwischendurch, signalisiert uns das eindeutig Interesse.
Wichtiger als die Füße: Der Blickkontakt
Da uns normalerweise eher ins Gesicht geschaut wird als auf die Füße, können Sie mit einem Blickkontakt viel mehr ausdrücken und es wird auch eher verstanden. Blickkontakt sagt es schon. Sie nehmen Kontakt auf und können damit ausdrücken: »Du bist gerade meine Welt.« Diese Art der ungeteilten Aufmerksamkeit kann für viel Nähe sorgen und die Beziehung stärken.
Wenn Sie nun lieber nicht mehr mit der Person reden wollen, dann brechen Sie den (Blick-)Kontakt ab. Dies erlebe ich immer mal wieder auf Netzwerkveranstaltungen, wenn jemand offiziell mit mir redet, doch den Blick ständig durch den Raum schweifen lässt, um ja nichts zu verpassen. Dann wird mir zwar zugeraunt: »Ich höre dir zu, ich bin ganz bei dir.« Doch das sind sie nicht.
Allein schon, weil die Fokussierung auf eine Sache andere Reize ausblendet. Wäre der Blick auf mich gerichtet, würde diese Aufmerksamkeit wie eine Taschenlampe wirken und die Gespräche im Raum würden von meinem Gegenüber weniger wahrgenommen. Er kann mir also besser zuhören.
Doch wenn der Blick eben durch den Raum schweift, dann strahlt diese »Aufmerksamkeits-Taschenlampe« alles Mögliche an und meine Stimme, meine Worte werden dann weniger wahrgenommen. Das Gleiche passiert, wenn jemand ständig nebenbei auf seine Apple Watch starrt oder bei jedem »Bling« auf sein Handy schaut. Auch dann weicht der Blick ab, und es gibt keinen (Blick-)Kontakt.
Muss der Blickkontakt immer sein?
Nein. Wenn Sie introvertiert sind und lieber wegsehen, dann tun Sie das. Aber es ist dann hilfreich, dies anzusprechen: »Nicht wundern, wenn ich mich besonders konzentriere, dann sehe ich oft weg.«
Und fühlen Sie sich bitte nicht genötigt, Ihre Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner krampfhaft anzustarren. Das fühlt sich für beide Seiten eher unangenehm an.
Auch wenn Sie eine Unterhaltung im Gehen führen, müssen Sie nicht ständig den Kopf zur Seite drehen, um den Blickkontakt zu suchen. Natürlich dürfen Sie geradeaus schauen oder auf den Boden, um nicht hinzufallen. Doch schauen Sie immer mal wieder zur Person neben Ihnen, um zu signalisieren: »Ich bin gedanklich bei dir und unserem Gespräch und nicht bei den Hirschen da hinten im Wald.« Die ja durchaus auch interessant sein können.
Die Autorin:
Isabel García ist eine Kommunikationsexpertin und Mentorin, die Menschen dabei unterstützt, selbstbewusst und authentisch zu sprechen. Bekannt ist sie unter anderem durch ihre Seminare, Bücher und ihren Podcast »Gut reden kann jeder«.