Herr Voss, wie sind Sie vom Sportmoderator zum Moderator von »XY gelöst« geworden – was hat Sie daran gereizt?
Ja, im Sport sterben tatsächlich weniger Leute als im True Crime. Für den Sport hat mein Herz im Übrigen schon immer geschlagen; für XY musste ich mich auch selbst ein bisschen entwickeln. Aber mittlerweile ist es ja schon die sechste Staffel. Ich weiß noch, dass ich am Anfang gedacht habe: »Jetzt gehst du mit dem Ermittler an die Stelle, an der das schreckliche Verbrechen passiert ist. Wie wird es sein, wenn ich mich dort mit ihm treffe?«
Vor Ort konnte ich mich auch nicht von einem gewissen Grusel frei machen. Dadurch habe ich aber schnell bemerkt, dass hier nicht nur der Moderator gefragt ist, sondern es auch den Menschen dahinter braucht, der sich auf das Verbrechen einlässt – und die Menschen, die es aufklären wollen. Das macht für mich bis heute die Faszination von True Crime, und speziell von »XY gelöst«, aus. Das Format ist zu einer Leidenschaft geworden und ich bin froh, dass ich dabei sein darf.
Gibt es bestimmte Skills, die Sie im Bereich True Crime erst erlernt haben – oder Aspekte, bei denen Sie umdenken mussten?
Ob ich jetzt mit einem Sportler über seine Erfolge und Misserfolge, beziehungsweise über das Hinfallen und wieder Aufstehen, spreche oder über True Crime: Das Zuhören ist das, worauf es ankommt. Ich kann mich in Fälle einarbeiten und merke im Gespräch mit dem Ermittler, dass das der Fall seines Lebens ist. Letzten Endes ist es aber auch die Aufklärung, die für ein Gefühl des Erfolgs sorgt, obwohl das Opfer dadurch natürlich nicht mehr lebendig wird. Bei »XY gelöst« bin ich zu etwa 30 Prozent der Journalist, der fragt – aber zu 70 Prozent bin ich einfach derjenige, dem es wichtig ist, sich auf die Emotionen einzulassen. Zusätzlich betrachte ich die Orte, an denen der Fall passiert ist. Es ist also eine sehr komplexe Aufgabe.
Können Sie diese Faszination für das True-Crime-Genre nachvollziehen – Sie waren ja anfänglich kein True-Crime-Fan; hat sich das im Laufe Ihrer Arbeit verändert?
Wenn ich ehrlich bin, wollte ich als Kind nie Polizist werden, aber ich hatte schon immer ein großes Gerechtigkeitsempfinden. Das hat sich auch bis heute nicht geändert. Im Sportbereich geht es ja ebenfalls darum, dass der Beste gewinnen soll und keiner betrügen darf. Ich gebe aber zu, dass ich nie dieser True-Crime-Nerd war, der alle Magazine zum Thema Verbrechen gekauft und alle Podcasts gehört hat – obwohl das im Journalismus auch eine spannende Disziplin ist.
Natürlich bin ich wie viele andere auch mit »Aktenzeichen XY…ungelöst« aufgewachsen – eigentlich durfte ich das gar nicht gucken, aber ich habe es dann doch mal heimlich geschaut. Die Fälle, die ich damals gesehen habe, kann ich bis heute nacherzählen, weil ich ihre Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekommen habe.
Als man mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, durch dieses Format zu führen, habe ich mich natürlich zunächst einmal damit auseinandergesetzt und eingearbeitet – und dabei dann eine Faszination dafür entwickelt. Also: Ich wollte zwar nicht immer schon True Crime machen – aber jetzt will ich quasi nichts anderes mehr machen!
Nun stehen wieder neue Folgen von »XY gelöst« in den Startlöchern. Worauf können die Zuschauer besonders gespannt sein?
Es sind vier sehr unterschiedliche und gleichzeitig spektakuläre Fälle, die wir präsentieren. Ich finde, dass wir auch noch mal mehr auf die Verbindung der gespielten Szenen, den sogenannten Reenactments, in Verbindung mit den Interviews geachtet haben, die ich vor Ort führe. Das fließt alles ineinander. Gerade bei den Reenactments haben wir nochmal Gas gegeben. Die sind schon sehr beeindruckend – und manchmal ist es auch erschreckend, wie realistisch sie sind. Diese 45 Minuten haben teilweise wirklich Spielfilm-Niveau - die packen einen und dennoch ist das alles so passiert. Es ist nach wie vor die Stärke von »XY gelöst« – dass die Zuschauer sagen: »45 Minuten und ein schrecklicher Fall, von dem ich nie gedacht hätte, dass man ihn aufklären kann. Ich habe die Sendung aber – mit einem gewissen Grusel – gern geguckt!«
Unser Gesprächspartner:
Sven Voss begann seine Karriere beim Regionalfernsehen. Im Jahr 1999 wechselte er zum Fernsehen und berichtete für die Kinder-Nachrichtensendung »logo!«. Später erlangte er vor allem als Sportreporter und Moderator des »Aktuellen Sportstudios« Bekanntheit. Seit dem Jahr 2022 führt er bei »XY gelöst« durch die Fälle. Die sechste Staffel des Formats startet am 16. September im ZDF und ist bereits vorab in der Mediathek verfügbar.
Das gesamte Interview »Fesselnde Verbrechen: XY-Moderator Sven Voss über den Reiz realer Kriminalfälle« und weitere spannende Artikel finden Sie in der ERFOLG Magazin Ausgabe 06/2026 – ab 24. Oktober im Handel.