Von schlechten Noten zum 1,0-Schnitt, vom schüchternen Teenager zur Unternehmerin: Linda Weise (@lindaweise) hat früh gelernt, dass Erfolg nicht nur eine Frage von Talent ist. Mit einem selbst entwickelten Lernsystem, Disziplin und dem Mut, Dinge einfach auszuprobieren, baute sie mit 17 Jahren ein Unternehmen mit sechsstelligem Umsatz auf. Im Gespräch spricht sie über effektives Lernen, Selbstvertrauen und die Frage, was Erfolg für sie heute wirklich bedeutet.
Du hast dich selbst von schlechteren Noten zu einem 1,0-Schnitt hochgearbeitet. War dieser Wandel eine Frage von purer Intelligenz oder schlichtweg das Resultat eines besseren Systems und strengerer Disziplin?
Als ich in die fünfte Klasse kam, wusste ich eigentlich überhaupt nicht, was Lernen bedeutet. Sich etwas durchlesen? Einen Lernzettel schreiben? Etwas auswendig lernen? Wir erwarten von Schülerinnen und Schülern, dass sie lernen, aber wie das konkret funktioniert, wird oft kaum vermittelt.
Für mich gibt es dabei drei zentrale Faktoren: Intelligenz, Fleiß und Strategie. Bei einer schlechten Note werden meistens nur die ersten beiden hinterfragt: »Kann ich das einfach nicht oder habe ich zu wenig gemacht?« Die dritte Frage fehlt häufig: »Hat meine Lernweise mich überhaupt darauf vorbereitet, was ich in der Prüfung können muss?« Genau darin lag bei mir der größte Hebel.
Disziplin ist mir sehr wichtig. Sie bringt dich aber vor allem dann weiter, wenn du ein funktionierendes System hast. Schließlich kann man auch eine ineffektive Methode sehr diszipliniert durchziehen. Das gilt in der Schule genauso wie im Business: Viel Mühe führt nicht automatisch zu guten Ergebnissen.
Über inzwischen fünf Jahre habe ich mein Lernsystem entwickelt und immer weiter optimiert. Dadurch konnte ich regelmäßig Bestnoten erreichen und gleichzeitig Zeit für mein Unternehmen und meine Personal Brand gewinnen. Inzwischen arbeiten über 1.800 Schülerinnen und Schüler in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit meinem Traumnoten-Trainer, der genau das »Wie« des Lernens – also das System dahinter – vermittelt. Für gute Noten muss man eben kein Einstein sein.
Viele Schüler und junge Erwachsene fühlen sich vom ständigen Lern- oder Leistungsdruck gestresst. Welche konkrete Routine nutzt du persönlich, um Bestnoten und ein Business zu meistern, ohne auszubrennen?
Ich gehe jeden Morgen spazieren, bekomme dabei den Kopf frei und lege meine Prioritäten für den Tag fest. Mit meinem Kalender und meinen Notizen plane ich dann bewusst: Was muss erledigt werden und was bringt mich meinen übergeordneten Zielen wirklich näher? Gerade als Unternehmerin kann ich den ganzen Tag mit operativen Aufgaben beschäftigt sein, ohne ein wichtiges Projekt voranzubringen. Deshalb reserviere ich möglichst am Vormittag einen größeren Zeitblock für diese Prioritäten.
Außerdem nutze ich kleine Zeitfenster: Wenn ich beispielsweise mit der Bahn fahre oder irgendwo warte, wiederhole ich meine Anki-Karteikarten. Damit frage ich auswendig zu lernenden Stoff aktiv ab und wiederhole ihn in zeitlichen Abständen, anstatt ihn immer wieder nur durchzulesen. Ich schaue auch regelmäßig, welche Aufgaben ich abgeben kann und wo KI oder Automatisierungen Zeit sparen können.
Wir haben alle 24 Stunden am Tag. Deshalb frage ich mich bewusst: Wofür möchte ich diese Zeit einsetzen? Entscheidend ist für mich, dass ich meine Aufmerksamkeit auf die Dinge richte, die mir wirklich wichtig sind.
Den Begriff »Work-Life-Balance« sehe ich für mich persönlich kritisch, weil er Arbeit und Leben so stark voneinander trennt. Meine Arbeit ist ein großer und erfüllender Teil meines Lebens. Ich verwirkliche eigene Ideen, kann anderen helfen und habe dadurch enge Freundschaften und besondere Erlebnisse gewonnen. Wenn ich an meiner Mission arbeite, empfinde ich das nicht als verlorene Lebenszeit, die ich anschließend ausgleichen muss.
Du hilfst anderen, ihre Prüfungs- und Meldeangst zu überwinden. Wie hast du selbst das nötige Selbstbewusstsein entwickelt, um dich schon so früh vor die Kamera zu stellen und Tausenden Menschen Ratschläge zu geben?
Ich war früher so schüchtern, dass ich mich teilweise nicht einmal getraut habe, bei Freundinnen anzurufen oder allein Schokolade im Supermarkt zu kaufen. Mein heutiges Auftreten ist also keineswegs selbstverständlich.
Was mich verändert hat, waren viele Situationen, in denen ich mich trotz Unsicherheit getraut habe, meine Komfortzone bewusst zu verlassen – und bei denen die Herausforderung anschließend sogar zu einem positiven Gefühl wurde. Bei »Jugend forscht« musste ich beispielsweise mit 14 Jahren mein Projekt vor einer Jury vertreten und habe es damit bis zum Landeswettbewerb geschafft. Dort habe ich unter anderem zum ersten Mal Menschen kennengelernt, die groß denken und eigene Ideen umsetzen. Dadurch wurde auch meine Vorstellung davon größer, was für mich selbst möglich sein könnte.
Auch Social Media habe ich sehr spontan angefangen: An dem Tag, an dem mir die Idee kam, meine Lerntipps zu teilen, habe ich mein erstes Video hochgeladen. Am nächsten Tag kam das nächste. Diese Videos sind aus heutiger Sicht katastrophal. Ich habe vom Teleprompter abgelesen und war weit davon entfernt, souverän zu wirken. Aber meine Motivation war es immer, besser zu werden und mir selbst zu beweisen, was alles möglich ist.
Ich hätte früher nie gedacht, dass ich heute als Speakerin auf Bühnen stehe, Interviews gebe und regelmäßig in Podcasts und Fernsehformaten dabei bin. Das ist, ehrlich gesagt, manchmal immer noch verrückt.
Nervös bin ich trotzdem manchmal. Der Unterschied ist, dass ich inzwischen auf Erfahrungen zurückgreifen kann, bei denen ich etwas trotz meiner Nervosität geschafft habe. Gute Vorbereitung und Wiederholung helfen mir dabei sehr.
Viele in deinem Alter definieren Erfolg durch Markenklamotten oder Partys. Was bedeutet ein »erfolgreiches Leben« für dich ganz persönlich, wenn du an deine Zukunft denkst?
Ich finde erst einmal, dass andere Menschen in meinem Alter ganz andere Dinge wichtig finden dürfen als ich. Für mich spielen unternehmerische Ziele eine große Rolle. Ich bin stolz darauf, mit 17 ein Unternehmen mit sechsstelligem Umsatz aufgebaut zu haben, monatlich rund 10 Millionen Menschen mit meinem Content zu erreichen und für Formate bei ARD und KiKA angefragt zu werden. Manchmal gibt es inzwischen tatsächlich diesen Moment, in dem ich denke: »Wow, ich habe es geschafft.«
Gleichzeitig merke ich, wie schnell etwas Besonderes normal wird. Wenn ich alte Tagebucheinträge lese, stehen dort große Ziele, die heute teilweise zu meinem Alltag gehören. Das macht mich stolz, zeigt mir aber auch: Ich kann meine Zufriedenheit nicht immer vom nächsten Meilenstein abhängig machen.
Wahrer Erfolg bedeutet für mich vor allem Selbstwirksamkeit – also zu erleben, dass ich mein Leben gestalten und aus einer Idee etwas machen kann. Dazu gehört zum Beispiel die Freiheit, selbst entscheiden zu können, welche neuen Projekte ich umsetzen möchte und wofür ich mich in meinem Leben einsetzen möchte.
Am greifbarsten wird Erfolg für mich durch die Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern. Wenn jemand schreibt, dass er durch den Traumnoten-Trainer wieder an sich glaubt und sich mehr zutraut, bekommt meine Arbeit eine Bedeutung, die keine Reichweitenzahl allein ausdrücken kann.
Wenn du einen einzigen Ratschlag an andere junge Menschen weitergeben könntest, die sich nicht trauen, ihre eigenen Ideen umzusetzen – welcher wäre das?
Warte nicht darauf, dich vollkommen bereit zu fühlen. Das Wasser wird nicht wärmer, wenn du später springst.
Gerade wenn du jung bist und beispielsweise noch zu Hause wohnst, hast du wenig zu verlieren, wenn du etwas ausprobierst. Es erwartet noch niemand von dir, dass deine Projekte sofort erfolgreich werden oder dass du deine Familie ernähren kannst. Außerdem wirst du, wenn du jung bist, immer unterschätzt. Du wirst nicht als Konkurrenz gesehen – und das ist ein riesiger Vorteil, gerade wenn du ein Unternehmen gründen möchtest.
Ich versuche, so an neue Dinge heranzugehen: Natürlich kann ein Versuch scheitern. Aber auch dann kann ich Erfahrungen, Fähigkeiten und Kontakte mitnehmen, die mir später helfen. Wenn ich gar nicht erst anfange, bekomme ich weder ein Ergebnis noch diese Erkenntnisse.
Perfektionismus macht den ersten Schritt oft unnötig groß. Dein erster Versuch muss noch nicht dem entsprechen, was du irgendwann erreichen möchtest. Meine ersten Videos tun das sicher nicht. Trotzdem waren sie die Voraussetzung für alles, was danach kam.
Trau dich, Anfängerin oder Anfänger zu sein, und gib dir die Chance, durch das Machen besser zu werden.