Was wäre, wenn jede Niederlage in Wirklichkeit ein Gewinn ist? Ein Gewinn, der uns stärker und besser macht und auf den Erfolg vorbereitet. Wir müssen nur bereit sein den Gewinn zu sehen – und ihn zu nutzen. Alles, was wir dafür tun müssen, ist dem Wort Scheitern eine neue Bedeutung zu geben, und die Bedeutung ist klar: Wir scheitern nicht, wir lernen hinzu. Misserfolg sollte unser Lehrer sein, nicht unser Bestatter. Scheitern bedeutet lediglich Verzögerung, nicht Aufgabe. Es ist ein vorübergehender Umweg, den wir einlegen müssen, mehr nicht. Wir müssen nur den Mut haben uns unseren Niederlagen zu stellen. Gepaart mit der Frage, was wir in Zukunft besser machen können. Zu scheitern bedeutet, zu 98 Prozent nicht gut genug zu sein, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Das heißt aber nicht, dass wir nicht besser werden können. Wer Niederlagen als Grund nimmt, sein Vorhaben nicht weiter zu verfolgen, der hört auf sich zu entwickeln.
Denken Sie doch einmal an ihr einjähriges Ich und ihre ersten Laufversuche: Hätten Sie sich nach den ersten misslungenen Versuchen auf ihren Hintern gesetzt und es nicht mehr versucht, könnten Sie heute immer noch nicht laufen. Wir erwarten immer, dass wir auf Anhieb gut genug sind, unsere Ziele zu erreichen. Dass uns dabei die Erfahrung und oftmals sogar die nötigen Kompetenzen fehlen, ist uns egal. Dass alles auf Anhieb gelingen muss, ist eine Erwartungshaltung, die zum Scheitern verurteilt ist. Vielmehr müssen wir jeden Fehlversuch als Motivation nehmen, besser zu werden. Und eines steht fest: Wenn Sie nicht scheitern, haben Sie es nicht versucht. Nur dafür bedarf es eine kleine Portion Mut.
Ein Mann sieht auf einer Party eine attraktive Frau und überlegt, ob er sie ansprechen soll. Letztlich entscheidet er sich dagegen, weil er Angst hat, einen Korb zu bekommen. Ein Angestellter bekommt von seinem Chef eine neue Position angeboten, hat aber Angst, dass er die Erwartungen nicht erfüllen kann. Und was machen wir dann? Wir überzeugen uns selbst, dass wir den Job so oder so nicht bekommen hätten oder die attraktive Dame bereits vergeben ist. Selbst, wenn sie nicht vergeben ist, hat sie bestimmt kein Interesse. Wir suchen nach allen nur denkbaren und möglichen Entschuldigungen, warum wir etwas nicht tun können. Wir finden Gründe, die in unseren Augen beweisen, dass unsere Pläne keine Aussicht auf Erfolg haben. Letztlich vermeiden wir es auf diese Weise, mit der Angst vor Fehlschlägen in Berührung zu kommen.
Das Schlimme dabei ist, dass wir in Wirklichkeit keine Angst davor haben zu scheitern oder Fehler zu machen. Wir haben Angst davor zu versagen und hinter der Angst zu versagen steckt eigentlich nur die Angst vor Ablehnung. Es ist die Angst davor, was andere über uns sagen oder denken, sollten wir etwas falsch machen oder nicht schaffen. Das sind fehlendes Selbstvertrauen und fehlender Selbstwert. Sobald wir einmal scheitern, geht unser Selbstwert in den Keller, was im Grunde totaler Quatsch ist. Nur weil wir in oder mit etwas scheitern, mindert das nicht unseren Selbstwert. Schlimm genug, dass Perfektionismus in der heutigen Zeit eine Lebensweise ist, aber das führt nur dazu, dass wir keinen Spielraum mehr für Fehler haben. Damit lassen wir unsere stärksten Werkzeuge ungenutzt: Versuch und Irrtum. Nur weil wir scheitern, haben wir keinen geringeren Wert als Mensch, ganz im Gegenteil: Nutzen wir unser Scheitern, erhöhen wir unseren Wert. Halten wir uns das einmal vor Augen, dann brauchen wir auch keine Angst mehr vor dem Scheitern haben. Verlieren ist nicht unser Feind. Die Angst vor dem Verlieren ist unser Feind.
Bildquelle: Privat / Cover: Business Village Verlag