Mit Elon Musk hat die Welt erstmals einen Billionär hervorgebracht. Der Unternehmer hinter Tesla und SpaceX hat damit eine Vermögensdimension erreicht, die lange als reine Zukunftsvision galt. Für die einen ist Musk der Inbegriff unternehmerischer Innovation, für die anderen ein Symbol wachsender Ungleichheit. Doch wie entsteht ein Vermögen dieser Größenordnung? Und was sagt die Existenz eines Billionärs über den Zustand unserer Wirtschaft aus? Im Interview erklärt Reichenforscher und Bestsellerautor Dr. Rainer Zitelmann, warum der erste Billionär aus der Raumfahrtbranche kommen musste, weshalb Innovation oft missverstanden wird und was die Debatte über Superreichtum über unsere Gesellschaft verrät.
Elon Musk ist der erste Billionär. Haben Sie als Reichenforscher das kommen sehen?
Ich habe schon vor Jahren andere zitiert, die gesagt haben, dass der erste Billionär aus dem Space-Bereich kommen wird. Damals haben mich Leute ausgelacht, die auch das Thema meines Buches »Weltraumkapitalismus« für ein esoterisches Nischenthema hielten. Aber ich war nicht der erste, der das vorhersagte, sondern das war der amerikanische Politiker Ted Cruz, der bereits 2017 sagte: »Ich mache jetzt eine Vorhersage«. Der erste Billionär (im amerikanischen Sinne: Trillionär, also mit einem Vermögen von 1.000 Milliarden Dollar) wird der Unternehmer sein, der im Weltraum investiert und Entdeckungen macht, die wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können. Derzeit haben wir Milliardäre. Meine Vorhersage lautet: Der erste Trillionär wird aus dem Bereich der Weltraumforschung und Raumfahrt kommen.
Sicherlich spielt auch Geldinflation eine Rolle. Rockefeller wäre heute auch ziemlich reich oder?
Ja, natürlich kann man historische und heutige Zahlen nur vergleichen, wenn man die Inflation und die Entwicklung der Wirtschaft berücksichtigt. Als John D. Rockefeller 1937 starb, wurde sein Vermögen auf etwa 1,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Rechnet man nur die Inflation um, dann entsprechen 1,4 Milliarden Dollar von 1937 heute etwa 32 bis 35 Milliarden Dollar. Das unterschätzt aber seinen relativen Reichtum. Vergleicht man seinen Anteil an der Wirtschaft (damals betrug sein Vermögen 1,5 Prozent des BIP) mit der heutigen US-Wirtschaft, dann käme Rockefeller auf etwa 450 bis 550 Milliarden Dollar in heutigem Geld. Aber vom Billionär wäre er auch nach dieser Berechnung noch weit entfernt.
Elon Musk gilt als Genie. Er hat zwar keine wirklich neuen Dinge erfunden, aber hat Bestehendes verbessert. Ist das eine Eigenschaft von Superreichen?
Erstens sind Erfinder und Unternehmer in der Tat zweierlei. Viele große Erfinder waren keine Unternehmer, und viele erfolgreiche Unternehmer waren keine Erfinder. Aber die Behauptung, Elon Musk habe nichts erfunden, stimmt nicht. Er ist Mitinhaber zahlreicher Patente und hat an technischen Entwicklungen bei Tesla, SpaceX und anderen Unternehmen sehr aktiv mitgewirkt. Noch wichtiger ist jedoch: Die Vorstellung, nur derjenige sei ein Erfinder, der etwas völlig Neues aus dem Nichts erschafft, greift zu kurz. Die meisten Innovationen entstehen dadurch, dass bestehende Ideen verbessert, kombiniert oder in einem völlig neuen Maßstab umgesetzt werden. Das gilt für Thomas Edison ebenso wie für Henry Ford oder Steve Jobs. Bei Musk war die eigentliche Leistung, Technologien zu entwickeln, die viele Experten für unmöglich hielten: wiederverwendbare Raketen, massentaugliche Elektroautos oder ein globales Satelliten-Internet. Das ist weit mehr als bloße Verbesserung im Detail. Das versteht übrigens auch die Ökonomin Mariana Mazzucato nicht, wenn sie behauptet, nicht Steve Jobs, sondern der Staat habe das iPhone erfunden, weil viele der zugrunde liegenden Technologien staatlich gefördert wurden. Nach dieser Logik hätte Picasso nichts geschaffen, weil alle Farben, die er verwendete, schon vorher existierten. Innovation besteht aber nicht darin, die einzelnen Bausteine zu erfinden, sondern darin, sie auf eine neue und geniale Weise zu kombinieren. Genau das haben Jobs und Musk getan.
In Politik und Gesellschaft wird immer wieder ein Verbot von Superreichtum gefordert. Sie haben dazu gerade ein Buch geschrieben. Wie antworten Sie darauf?
In meinem Buch »ZERO-SUM MINDSET« setze ich mich ausgiebig mit dem Nullsummendenken auseinander, das die Basis solcher Forderungen ist. Hier nur so viel: Schauen wir uns mal die gängigen Milliardärs-Rankings von Forbes oder Bloomberg an, in welchen Ländern es keine Milliardäre gibt. Da werden entweder sehr arme Länder wie Bangladesh, Haiti, Afghanistan, Jemen, Eritrea und Südsudan oder arme und kommunistische Länder wie Kuba und Nordkorea genannt. Die meisten Milliardäre gibt es, bezogen auf die Bevölkerung, in Ländern wie Monaco, Singapur, Liechtenstein oder der Schweiz. Auch Schweden steht mit 43 Milliardären auf nur etwa zehn Millionen Einwohner sehr weit oben in diesem Ranking. Hätte Deutschland die gleiche Milliardärsdichte wie Schweden, müssten bei uns 344 Milliardäre leben, tatsächlich sind es nur halb so viele. Übrigens ist die Milliardärsdichte in den USA lange nicht so hoch wie in Schweden. Jetzt lautet die Frage doch nur, ob man lieber in einem Land wie Schweden und der Schweiz mit vielen Milliardären leben will oder in einem Land wie Kuba oder Eritrea, wo es keine Milliardäre gibt (wobei ich mir nicht sicher bin, ob der Diktator Kim nicht doch einer ist, aber Forbes berücksichtigt Politiker nicht).

Dr. Dr. Rainer Zitelmann widmet sich der Reichtumsforschung und Persönlichkeitsmerkmalen erfolgreicher Menschen. Er veröffentlichte 30 Bücher.
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