Ein Gastbeitrag von Niclas Lahmer
Irgendwann zwischen der Grundschule und dem ersten Jobinterview passiert etwas mit uns. Es ist ein schleichender, lautloser, aber tiefgreifender Prozess. Man nennt es Sozialisation. Ich nenne es Konditionierung. Wir lernen, dass Macht etwas Schmutziges ist. Dass derjenige, der offen nach ihr greift, bedürftig wirkt. Also stecken wir unseren Ehrgeiz weg, nennen ihn Bescheidenheit und halten das für eine Tugend. Das Problem ist jedoch, dass die Welt nicht darauf wartet, dass wir mit unserer Selbstverleugnung fertig sind, und dass wahre Tugend auch etwas völlig anderes ist.
Schauen Sie sich in Ihrem Umfeld um. Die Menschen, die vorankommen, sind nicht zwingend die Talentiertesten. Oft sind es diejenigen, die ein Regelwerk kennen, das offiziell nicht existiert. Dieses Regelwerk wird nicht an Schulen gelehrt. Es wird auch nicht öffentlich ausgesprochen. Wenn überhaupt, dann wird es höchstens hinter geschlossenen Türen leise weitergetragen. Und dennoch wirkt es in jeder Verhandlung, in jedem Büro und in jeder zwischenmenschlichen Beziehung.
Die unausgesprochenen Regeln der Macht, eine Art Kodex, wurden Ihnen von Anfang an vorenthalten. Anstatt uns offen mit unseren blinden Flecken auseinanderzusetzen, haben wir gelernt, Macht zu verteufeln.
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Beitragsbild: privat










