Steigende Immobilienpreise, Inflation und unsichere Arbeitsmärkte stellen viele Familien vor finanzielle Herausforderungen. Carmen Mayer kennt diese Realität aus eigener Erfahrung: Trotz gut bezahlter Jobs schien der Traum vom Eigenheim für ihre Familie unerreichbar. Diese Erkenntnis wurde zum Ausgangspunkt einer intensiven Auseinandersetzung mit Geld, Investitionen und Vermögensaufbau. Heute ist sie Autorin des Buches »Mami goes Millionär« und setzt sich dafür ein, Finanzwissen verständlich und praxisnah zu vermitteln – insbesondere für Frauen. Im Interview spricht Carmen Mayer über ihren Weg zur finanziellen Unabhängigkeit und darüber, warum Mut und finanzielle Bildung wichtiger sind denn je.
Frau Mayer, der Moment, der Ihr Leben verändert hat, war die Erkenntnis, dass selbst zwei gute Einkommen nicht ausreichen, um ein Eigenheim für Ihre Familie zu finanzieren. Sie sagen, dass Sie daraufhin beschlossen haben, Geld wirklich zu verstehen. Was genau meinen Sie damit – und warum war dieses Verständnis für Sie so entscheidend?
Mein Partner und ich waren zu der Zeit bei zwei großen Konzernen in München angestellt. Als ich dann schwanger geworden bin, wollte ich uns ein Haus kaufen und musste feststellen: Oh Gott, das kostet ja hier Millionen! Wie soll man sich das denn leisten können? Wir haben damals kein normales Gehalt gehabt, sondern jeder von uns hat ein sechsstelliges Jahresgehalt verdient. Trotzdem konnten wir uns nicht einfach so ein schönes Haus kaufen. Das hat mich schon sehr schockiert. Aber es gab zu der Zeit trotzdem Leute, die sich in München ein schönes Haus leisten konnten und mir war klar, dass die nicht alle geerbt hatten. Da dachte ich, dass es irgendwas geben muss, was ich damals nicht wusste. Also habe ich angefangen, Bücher zu diesem Thema zu lesen. Dabei habe ich dann erfahren, dass es drei Wege gibt, um reich zu werden. Entweder du gründest ein Unternehmen oder du kaufst Immobilien und vermietest sie. Oder der dritte Weg: Du handelst Aktien. Das ist eigentlich ganz simpel, aber mir war das überhaupt nicht bewusst. Ich habe mich dann für den dritten Weg entschieden und angefangen, mit Aktien zu handeln.
Und inwiefern haben Sie dadurch Geld besser verstanden?
Es gibt vier Geldgesetze, die kaum einer kennt, bis auf die Reichen. Wir müssen alle Gesetze in der Gesamtheit anwenden, sonst wirkt es nicht. Das erste Gesetz besagt, dass wir Geld verdienen müssen. Und das machen ja die meisten Leute. Dann müssen wir sparen. Jeden Monat 20 Prozent von unserem Einkommen. Also wir bezahlen uns selbst immer zuerst und nicht erst die Miete, dann das Essen, und was übrigbleibt, ist dann übrig. Dann müssen wir investieren. Das heißt, wir müssen das Geld für uns arbeiten lassen. Und das halt auch gescheit mit genug Rendite. Wir müssen aber auch immer einen Teil unseres Einkommens spenden. So bekommen wir das Gefühl, reich zu sein. Wenn wir immer das Gefühl haben, wir sind arm und es reicht nicht aus, dann werden wir auch nicht richtig reich. Wir müssen verstehen, dass das Geld arbeiten will, dass wir investieren müssen. Nachdem wir alle Geldgesetze durchgeführt haben, fangen wir wieder von vorne an und erhöhen unser Gehalt. Davon sparen wir wieder mindestens 20 Prozent und so weiter. Es ist sehr wichtig, sein Einkommen signifikant zu erhöhen!
Wie haben Sie es geschafft, neben Job und Familie nachts Finanzwissen zu erlernen und systematisch in Investments zu investieren? Welche Strategien haben Ihnen geholfen, konsequent dranzubleiben?
Working at night. Ich mache es bis heute so, dass ich nachts arbeite. Und ich habe mich in Masterminds eingebucht, wo vermögende Menschen waren, um zu sehen, wie die sich verhalten und was die machen. Weil dann sieht man, dass 80 Prozent davon Selfmade-Millionäre oder -Milliardäre sind. Das heißt, die meisten schaffen das aus eigener Kraft. Das heißt, wenn die das schaffen, schaffe ich das auch.
Auf Ihrem Weg gab es sicher auch Fehler und Hindernisse. Welche Herausforderung war für Sie besonders prägend – und welche Erkenntnisse haben Sie daraus gezogen?
Ich hatte am Anfang wirklich Angst, dass es nicht klappt. Ich habe dann trotzdem angefangen, an der Börse zu investieren. Und dann macht man Fehler. Weil dann läuft es doch nicht so, wie man denkt. Aber dann muss man es nochmal machen. Man wird gut, indem man einfach die Sachen von guten Leuten lernt. Und immer wiederholt. Wir dürfen nicht so in die Angst gehen. Weil reiche Menschen positive und mutige Menschen sind. Und das müssen wir einfach trainieren.
In Ihrer Arbeit und Ihrem Buch »Mami goes Millionär« legen Sie Wert darauf, dass Finanzwissen verständlich und praxisnah vermittelt wird. Was sind die häufigsten Missverständnisse oder Blockaden, die Menschen davon abhalten, Verant-
wortung für ihr Geld zu übernehmen?
Mein Buch ist sehr hands-on geschrieben und sehr praxisnah, mit Übungen. Und man kann einfach alles umsetzen und einfach mal loslegen. Doch es ist die Angst, die die meisten zurückhält. Wir haben Angst, irgendwas zu riskieren. Wir dürfen einfach mutiger werden. Das ist ein ganz großer Punkt. Ich habe das Gefühl, es werden immer mehr bewusster für das Thema Geld, weil einfach die Inflation so irre hoch ist. Und das normale Leben wird immer teurer und teurer. Die Jobs durch die KI auch unsicherer. Deshalb denken immer mehr, dass sie vielleicht doch etwas tun sollten.
Sie setzen sich besonders dafür ein, Frauen den Zugang zu Finanzbildung zu erleichtern. Welche speziellen Herausforderungen sehen Sie für Frauen auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit – und wie lassen sich diese überwinden?
Ich finde, Frauen sind sehr gute Investorinnen. Sie haben nur leider sehr viel Angst. Aber wenn sie diese Angst ablegen, machen sie das sehr gut, weil sie nicht so von ihrem Ego getrieben werden. Und das ist das Allerwichtigste. Frauen sind sehr gute Investorinnen und Geld gehört in Frauenhände. Das Geld ist männlich geworden, weil die Geschäfte unter Männern laufen. Frauen sind so ein bisschen außen vor und das ist sehr schade. Frauen müssen mutiger sein.
Viele träumen von finanzieller Freiheit, scheitern aber an Unsicherheit oder fehlender Orientierung. Was ist Ihr konkreter Rat an Menschen, die jetzt den ersten Schritt gehen wollen, um langfristig Vermögen aufzubauen?
Die Menschen können so viel mehr erreichen, wenn sie wirklich wollen. Am Ende des Tages braucht man einen Computer und muss Zahlen lesen können, aber das kann eigentlich jeder. Deshalb rate ich den Leuten dazu, sich Wissen anzueignen. Und sie brauchen Visionen und den Mut, diese zu verwirklichen. Dranbleiben ist ein ganz großer Schlüssel zum Erfolg. Vermögen aufzubauen dauert ein paar Jahre. Es geht nicht über Nacht.
Über unsere Gesprächspartnerin:
Dr. Carmen Mayer ist promovierte Biochemikerin, Unternehmerin und Aktienexpertin. Mit ihrem Buch »Mami goes Millionär« möchte sie Börsenwissen nahbar vermitteln.